URL: www.st-anton-cbs-speyer.de/aktuelles/presse/gelassen-alt-werden
Stand: 01.09.2015

Pressemitteilung

Gelassen alt werden

Die Bevölkerung wird immer älter. Doch mit den zunehmenden Jahren wächst auch die Angst vor dem Gebrechlichwerden und vor dem Alleinsein. Lohnt es sich überhaupt, alt zu werden? Und wie kann man sich darauf vorbereiten? Diese Fragen wurden bei einem unterhaltsamen Sonntagnachmittag unter dem Motto „Wir werden 100 Jahre alt!“ erörtert, zu dem das Caritas-Altenzentrum St. Anton in Pirmasens eingeladen hatte. Im Mittelpunkt stand dabei einer, der es wissen muss: Der pensionierte Schulrat Alois Strubel feierte erst vor wenigen Wochen seinen 100. Geburtstag.

Um es vorweg zu nehmen: Ein Patentrezept zum gelingenden Altwerden hatte auch Strubel nicht parat. „Ich habe geraucht - als Soldat Zigaretten, später dann mit Wonne Pfeife“, gestand er den rund 40 Zuhörern. Und dem Alkohol sei er auch nicht abgeneigt gewesen - „aber nicht übermäßig“, schränkte er ein. Der Familie und dem eigenen Zuhause räumte der Hundertjährige, der an diesem Tag die Rolle des ältesten Anwesenden sogar einer 102 Jahre alten Bewohnerin des Altenzentrums überlassen musste, hingegen einen hohen Stellenwert ein. „Wenn man sich zu Hause nicht wohl fühlt, gibt es kein langes Leben“ ist der vierfache Vater überzeugt. Er habe immer darauf geachtet, dass in seinem Leben sich Beruf und Familie die Waage gehalten haben – und deswegen auch Einbußen im beruflichen Fortkommen in Kauf genommen.

Einfach nur Glück zu haben im Leben ist seiner Ansicht nach notwendig, um alt werden zu können. „Die jungen Menschen haben das Glück, dass die Medizin heute so weit fortgeschritten ist“, hob er hervor. Er selbst überstand während des Ersten Weltkrieges als Kleinkind die Bombenangriffe auf seine Heimatstadt Ludwigshafen. Im Zweiten Weltkrieg wurde er schwer verwundet, lag fast ein Jahr im Lazarett, aber er kam mit dem Leben davon.

Strubel riet zu einem Stückweit Gelassenheit – gerade im Alter. „Alles, was existiert, vergeht in sichtbaren Abschnitten. Sogar Steine haben ein begrenztes Dasein“, rief er den Anwesenden ins Bewusstsein zurück. „Das Materielle vergeht. Inwiefern der Geist weiterlebt , das soll jeder seiner eigenen Weltanschauung entnehmen“, sagte Strubel weise – und machte dabei keinen Hehl daraus, dass ihm sein Glaube hier in besonderer Weise helfe – auch bei der Verarbeitung des Verlusts seiner ersten Ehefrau vor über 40 Jahren und des Todes eines seiner vier Kinder. Zu dieser Gelassenheit und dem Annehmen des Alters gehöre auch, die Gebrechen des Alters zu akzeptieren. „Ich kann schlecht gehen und höre nicht mehr gut. Das ist nun mal so, damit muss ich auskommen. Aber darüber rege ich mich nicht mehr auf“, so der rüstige Pensionär, der noch mit dem eigenen Auto zu dem Gesprächsnachmittag kam und dabei von seiner zweiten Frau Maria begleitet wurde.

Eine Zuhörerin bekannte, dass sie Angst vor dem Alleinsein im Alter habe, wenn vor ihr ihr Familien- und Freundeskreis stirbt. „Eine soziale Einbindung ist wichtig, wenn man mit 100 noch eine gewisse Lebensqualität haben möchte“, fand auch Strubel. Hierfür müsse aber jeder seinen Beitrag leisten. „Wenn sich die Nachbarin nicht mehr meldet, dann meldet man sich selbst bei der Nachbarin“, betonte Strubel. Und Einrichtungsleiter Christoph Prost, der an diesem Nachmittag als Stichwortgeber für den Senior fungierte und dabei immer wieder die Zweite Heidelberger 100-Jährigen Studie „Herausforderungen und Stärken des Lebens mit 100 Jahren“ zitierte, fand in diesem Zusammenhang: „Bequemlichkeit ist der Rost des Alters.“

Alois Strubel riet dazu, dass sich ältere Menschen frühzeitig ein Hobby suchen sollten, das sie auch im Alter noch gerne ausüben. Er selbst widmet sich der Heimatforschung und schreibt gerne Briefe. Prost erinnerte daran, dass viele Menschen den Wechsel vom Beruf zum Ruhestand nicht schaffen. „Sie haben sich frühzeitig Gedanken gemacht und sich arrangiert“, lobte er Strubel.

Wichtigster Punkt, um erfüllt alt zu werden, ist aber die psychische Stärke des Einzelnen. „Das ist wichtiger als die Gesundheit“, fand auch der pensionierte Pirmasenser Pädagoge. Damit ließen sich beispielsweise Schicksalsschläge besser verkraften. Strubel warnte außerdem davor, sein jetziges Leben mit der eigenen Vergangenheit oder mit dem Leben von anderen zu vergleichen. „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“, zitierte er den dänischen Philosophen und Theologen Sören Kierkegaard.