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Stand: 01.09.2015

Pressemitteilung

Ein Herz wird nie dement

Es war ein langer, oft schwieriger Weg, aber der Einsatz von Edda Mertz, die das Tanzcafé initiierte, hat sich gelohnt. Das wird deutlich bei den Dankesworten zum Jubiläum und es wird überdeutlich beim Blick in den großen Saal im Seniorenheim „St. Anton“, wo das Jubiläums-Tanzcafé stattfindet. Bis auf den letzten Platz ist der Saal gefüllt und die Vorfreude auf das, was gleich kommen wird – Musik von Entertainer „Caddy“, der seit dem ersten Tanzcafé die perfekte Musikauswahl dabei hat – ist spürbar.

10. Jahre Tanzcafe

Musik hören, tanzen, beim Tanzen die Nähe eines oder mehrerer anderer Menschen spüren. „Gefühle und Empfindungen sterben nicht“, sagt Edda Mertz, die für ihr Engagement auch für den Ehrenamtspreis nominiert war. Wenn die Menschen sich bewegen, die Musik hören, dabei lächeln, “dann ist das für alle ehrenamtlichen Helfer der schönste Lohn”, bekennt sie. Daran haben viele Helfer Anteil und natürlich „Caddy“. “Unser Musiker ist ein Schmuckstück”, verrät Mertz, während sie die Jubiläumstorte, die ein tanzendes Paar krönt, anschneidet. Am Anfang, verrät sie, habe er eher langsame Musik ausgesucht, aber schnell gemerkt, dass es durchaus flotter auf der Tanzfläche zugehen darf. Und seither „ist bei uns schon Action, tanzt hier der Bär“, kündigt Mertz an.

Edda Mertz mit der Jubiläumstorte

Die Tanzbären, darunter die 103 Jahre alte Wally Diedenhöfer, die seit dem ersten Tanzcafé zu den Tänzerinnen gehört und geehrt wird oder Emil Hemmer, laut Mertz „unser bester Tänzer“,   müssen am Jubiläumstag kurz warten, bis die Tanzfläche erobert werden kann. Ein paar nette Worte müssen es schon sein zu diesem Jubiläum. Für eine Stadt wie Pirmasens sei es eine Verpflichtung dafür zu sorgen, dass den Bedürfnissen der vielen älteren Bewohner Rechnung getragen werde, sagt Bürgermeister Peter Scheidel. Die Stadt könne einiges leisten. Beispielsweise Möglichkeiten schaffen, damit die Menschen einkaufen können, zum Friedhof kommen, in die Stadt kommen, um sich treffen zu können. „Aber nicht allen Bedürfnissen, die ältere Menschen haben, können wir gerecht werden“, weiß er, dass es Grenzen gibt. Hier sind ehrenamtliche Helfer gefragt. „Hilfe wird gebraucht“, unterstreicht Scheidel. Hilfe in der Form, wie sie das Tanzcafé „Vergissmeinnicht“ biete. Unübersehbar an diesem und allen anderen Tanztagen.

„Musik ist schön, Tanz ist schön, das ist ein Stück Lebensqualität“, sagt Caritas-Einrichtungsleiter Christoph Prost. Dass „Viva Colonia“ längst Einzug ins musikalische Repertoire des Tanzcafés gehalten habe, freut den gebürtigen Kölner und er schwört lachend: „Das habe ich nicht vorgegeben, das wollten die Leute hören“. „Do sinn mer dabei, dat ist prima“, heißt es im Refrain des Liedes und das beschreibt wohl auch gut das Gefühl vieler, die regelmäßig zum Tanzcafé kommen. Etwa die Hälfte der Teilnehmer lebt im Seniorenheim St. Anton, die Hälfte kommt eigens zum Tanzcafé. Das ohne die Bereitschaft von Christoph Prost zumindest noch keine zehn Jahre bestehen würde. „Ich habe damals nach einer Möglichkeit gesucht, wo ich die Idee verwirklichen könnte. Christoph Prost hat ja gesagt, hat gesagt wir probieren es, kann ja nicht mehr als schief gehen“, erinnert sich Mertz. Ihre Mutter litt an Demenz. Hilfe, Informationen gab es kaum. Vieles an Erkenntnissen hat sich Mertz, auch mit Hilfe von Spezialisten, erarbeitet. Eine Erkenntnis: Musik hat eine ungeheure Wirkung auf die dementen Menschen. „Eine unbezahlbare Therapie“, erläutert Mertz, wie die Tanzcafé-Idee Formen annahm.

Es funktionierte und funktioniert immer besser. Viel Engagement braucht es, Sponsoren, die es finanziell ermöglichen das Tanzcafé zu betreiben und so viel Freude in das Leben der Menschen zu bringen. „Zehn Jahre Tanzen, das hat was mit Freude zu tun“, resümiert auch Walter-Rudolf Lehmann, der Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Rheinland-Pfalz, bei der Mertz Vorstandsmitglied ist.

Dann sind auch am Jubiläumstag genug Worte gewechselt und Kuchen gegessen. Torte raus, Musik an. „Caddy“ übernimmt. „Komm tanz mit mir“, heißt seine musikalische Einladung zu Beginn der Tanzrunde. Ob zwei gesunde Beine, ob Krücken oder Rollstuhl, als die Musik erklingt, wird gelächelt und getanzt. Als die Tanzfläche im Saal zu klein wird, wird kurzerhand der angrenzende Flur einbezogen. Eins sein mit der Musik, eins sein mit dem Menschen, den man an der Hand hält. „Die Hände zum Himmel“, spielt "Caddy" und über 100 Hände gehen Richtung Himmel und der angesprochene Bär tanzt im Tanzcafé „Vergissmeinnicht“.

Text und Bild: Andrea Daum